Historiker- und Sammlertreffen Dresden – Tag 2

Der zweite Tag hier im Dresden beginnt gegen 10:00 im Zauberschloss.

DSC_4506Reinhard Müller:
Beachtliches und Seltsames in Conradi Horstes „Der Moderne Kartenkünstler“

Reinhard Müller ist eine Legende in der Kartenzauberszene. Ob Magie, Magische Welt oder auch andere Zeitschriften. Er ist überall als Experte ein geschätzter und anerkannter Autor. Sein Spezialgebiet die Kartenzauberkunst, haben ihn auch internatinal bekannt gemacht. Noch heute ist er Mitglied des Cardworkshops, einer exklusiven Gruppe von Spezialsten dieses Genres.

Im Jahr 1896 erschien das Kartenzauberbuch von Conradi Horster: Der Moderne Kartenkünstler. Dieses damals legendäre Buch, das bis heute in vielen Auflagen erschienen ist, wurde von Reinhard Müller präsentiert und auch gewisse Griffe und Strategien demonstriert. Auf 232 Seiten sind dort 220 Artikel (teils mit Vortrag) beschrieben. Lediglich 17% waren als Eigenkreationen gekennzeichnet. Viele der Kreationen stammen wohl von Roterberg in den USA, mit dem Conradi einen regen Meinungsaustausch pflegte.
Von Horster stammt ein Devano Kartensteiger, der im Gegensatz zu den heutigen Versionen mit einem eingebauten Flaschenzug dafür sorgte, dass die Karte komplett aus dem Spiel stieg. Ebenso findet man darin eine der ersten Beschreibungen der „Ehrgeizigen Karte“ oder auch die Möglichkeit ein improvisiertes Svengalispiel zu präsentieren.

Ein interessanter Vortrag der dadurch lebendig wurde, da Reinhard Müller gewisse Griffe gleich live demonstrierte. Eine informativ gemachtes Handout mit ausführlichem Literaturverzeichnis rundeten dieses sehr gute Referat ab.

 

DSC_4518Katharina Rein:
Kulturgeschichte der Levitation um 1900.

Eine echte Überraschung war die junge Katharina Rein. Die Studentin widmet sich in ihrer Dissertation  der Kulturgeschichte der Levitation. Erfrischend war, dass sie nicht aus der Zauberszene entsprungen ist, sondern sich dem Thema aus wissenschaftlichen Interesse nähert. So geht es ihr in erster Linie nicht um die verwendeten Techniken, sondern um den kulturgeschichtlichen Hintergrund der Illusion.

Es beginnt mit der Suspension von Robert Houdin, bei der der Künstler seinen Sohn schweben lässt. Mit Hilfe von Äther wird dies scheinbar bewerkstelligt. Der Geruch und die Geschichte in der Zeit der ersten Operationen unter Narkose, machen so diese Geschichte glaubwürdiger.  Denn die Narkose war in der damaligen Zeit ein echtes unvorstellbares Wunder. Warum sollte dieser Stoff nicht auch Menschen schwerelos machen?
Es war übrigens bald eine der meistkopierten Illusionen.
Der amerikanische Zauberkünstler Kellar war von der Schwebeillusion besessen und erarbeitete sich immer wieder neue Varianten mit Verbesserungen. Unglaubliche 2 Mio Euro soll seine letzte Version umgerechnet gekostet haben mit der er auf Tournee war.
Es wäre wünschenswert, wenn Zauberkünstler und die Wissenschaft mehr zusammenarbeiten würde. Es war erfrischend diese Geschichte einer großen Illusion einmal von einer anderen Seite beleuchtet zu sehen.

IMG_2739Volker Huber:
Präsentation von Schätzen aus seiner Sammlung

Die Sammlung von Volker Huber ist legendär. Wenige hatten das Vergnügen seine Sammlung live zu sehen.

Normalerweise werden diese Stücke auf Fotos präsentiert. Volker Huber überraschte uns. Er brachte in einer unscheinbaren Sporttasche diese kostbaren Stücke mit nach Dresden.

Verpackt sind diese Wunderstücke in Schachteln, die ein Buchbinder für Volker Huber maßgeschneidert für seine Sammlerstücke bauen lassen. Schon allein diese – von Volker Huber liebevoll „Särge“ genannt – Verpackungen, sind kleine Kostbarkeiten.

Gezeigt  wurden unter anderem:
Eine Illusion bei der ein toter Kanarienvogel wieder lebendig gemacht wurde. Diese Illusion stammt von  keinem Geringeren wie Bortolomäus Bosco. Ein Wunder der damaligen Zeit, das – mit Außnahme des Kanarienvogels – das Publikum in Entzücken versetzte. Feinmechanische „Eierbecher“ oder eine wunderbar gearbeitete Box von Pinetti auf der auf Befehl eine Kugel in einer vorherbestimmten Schublade erschien, wurden ausgiebig bewundert.


IMG_2752Birgit Bartl-Engelhardt:
Zauberfamilie Bartl

Zaubergeschichte wird dann lebendig, wenn ein direkter Nachfahre über seine Großeltern Janos und Rosa Bartl spricht. Frau Bartl-Engelhardt arbeitet seit einigen Jahren an einer Arbeit über ihre Großeltern, einer Dynastie von Zaubergerätehersteller. Der feurige Janos aus Ungarn und die zurückhaltende Wienerin Rosa waren ein Erfolgspaar, das ein regelrechtes Zauberimperium für Zaubergeräte aufbaute.
Frau Bartl-Engelhardt berichtete in ihrem diesjährigen Referat über persönliche amüsante Familiengeschichten, die sich hinter den Kulissen abgespielt haben.
Man darf auf die Familienbiografie  sehr neugierig sein, die Volker Huber noch in diesem Jahr herausgeben soll. (Änderungen vorbehalten, denn die Familienforschung ist oft eine unendliche Geschichte….)

IMG_2756IMG_2758Ulrich Rausch:
Punx und die Spice Girls

Was hat die Girliegruppe Spicegirls und der große Punx gemeinsam? Das Publikum war neugierig und gierig mehr darüber zu erfahren. Schon im Vorfeld wurde darüber spekuliert.
Ulrich Rausch beleuchtete in einem hervorragenden Referat Teile des Lebens von Punx. Zwei seltene TV Auftritte wurden gezeigt, die einen Punx zeigte, der fast ohne jeden Kameraschnitt über 20 Minuten Zauberei präsentierte. Bei solchen TV Aufnahmen merkt man erst, wie sich die heutige Schnitttechnik grundlegen geändert hat.
Was es nu wirklich mit den Spicegirls und Punx auf sich hat wurde am Ende aufgelöst, wird aber hier nicht verraten. Da müssen Sie schon Herrn Rausch selbst fragen, oder aber im Juni Aladin Nr. 3 selbst lesen. Vielleicht verrät er es ja unseren Zeitschriftenlesern. Ulrich Rausch bot als Service an, dass jeder Interessierte eine Punx Bibliographie auf Anfrage bekommen würde. – Danke!


DSC_4634Marco Habermann:
Flohmarktschrott zu Sammelstück

Marco Habermann räumte mit der Mähr auf, dass Sammeln unbedingt etwas mit viel Geld zu tun hat. Er präsentierte Requisiten die er auf Flohmärkten zusammengetragen hat. Alle Stücke haben ihre eigene Geschichte, die sich dann in seinen Requisiten wieder finden.

Seien es alte Blechkisten, Schatullen, Brillen oder anderer technischer Schnickschnack der sich bei ihm – in der Tradition eines Münchhausen – in einer scheinbar funktionierenden Maschine wieder findet.
Das Resultat sind einzigartige Sammlerstücke, die aber meist nur in den Händen des Finders seinen echten Wert zeigt. Ein wunderbares Referat, das die große Spannweite der Möglichkeiten aufzeigt, wie man sich mit  Geschichte auseinandersetzten kann.

IMG_2781Peter Benninghaus:

Wer war Simon Wigeest?

Simon Wigeest war ein Autor eines bekannten Zauberbuchs in Holland. Peter Benninghaus untersuchte über einige jahren, wer dieser Simon Wigeest wirklich war. Bald stellte sich heraus, dass es sich um ein Pseudonym handelte. Wer stand dahinter und warum wurde ein Pseudonym verwendet?  Eine spannende Suche, mit großer Klarheit präsentiert und einer entsprechenden Unterlage, die uns Peter Benninghaus später zur Verfügung stellte.

DSC_4663Fl!p Hallema:
Grandmothers Necklace

Das Prinzip und die unzähligen Möglichkeiten des bekannten Kunststückes „Grandmothers Necklace“ wurden von Fl!p präsentiert. Wie man das von ihm gewohnt ist, mit vielen Demonstrationen. Der Vorführtisch ähnelte am Schluss einem Wühltisch am letzten Tag eines Sommerschlussverkaufs.

Viele interessante Ideen und Anwendungsgebiete wurden demonstriert.
Es wird Zeit sich dieses Kunststücks wieder zu entsinnend, das bereits im Buch „Discovery of Witchcraft“ beschrieben steht und so eine der ältesten Illusionen ist.

Ein inhaltsschwerer Tag geht mit dem Besuch der Show „Irrtum vorbehalten“ zu Ende, über die ich in einem eigenen Beitrag berichten werden.

Schnappschüsse:

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