Neue Betrugsmasche in der Zauberbranche

Wir sind Betrugsversuche im Internet gewöhnt. Viele von uns haben bereits Mails erhalten, in denen es darum geht, dass man eine Millionenerbschaft gemacht hat. Das beste ist immer solche Mails sofort zu löschen und nicht zu öffnen.  Eine besondere Betrugsmasche ereilte ALADIN Autor Jürgen Peter, erfolgreicher Zauberkünstler und Veranstaltungsmanager.

Er hat ein Protokoll seines Erlebnisses erstellt und stellt es der Aladin Plattform zur Verfügung:

Jürgen Peter Protokoll eines Betrugsversuchs:
Nachdem meine Webpräsenz mit meinen gewünschten Suchbegriffen bei Google ganz vorne gelistet ist, werde ich nicht nur von potentiellen Kunden sondern auch von Betrügern gefunden. Gerne schildere ich hier wie der aktuelle Betrugsversuch abgelaufen ist.

Der Mailverkehr wurde in englischer Sprache geführt!

Phase 1: Ködern und Interesse wecken
Erstes Mail um 16:20

Guten Tag!
Mein Name ist LYDIA.
Ich habe Sie über Google gefunden und würde gerne Ihre Dienste in Anspruch nehmen. Meine Cousine wird am 23. April 2016 in Österreich, AUSTRIA ihre Hochzeit feiern.
Bitte teilen Sie mir doch mit, ob Sie an diesem Tag noch frei sind, da wir Sie sehr gerne als Zauberkünstler gebucht hätten. Teilen Sie mir bitte mit, wo genau Sie ansässig sind und wie hoch Ihr Honorar pro Stunde ist.

Ihre Antwort wird so schnell wie möglich erwartet.
Freundliche Grüße

Da dieses Mail zudem nur einen anonymen Mailabsender (….@outlook.com) und keinen richtigen Absender und auch keine Telefonnummer hatte, haben bei mir schon die Alarmglocken geklingelt.
Nichtsdestotrotz wollte ich sehen wohin das Ganze führt und habe eine höfliche Antwort gesendet. Ich wäre noch frei bin und würde gerne ein konkretes Angebot unterbreiten, wenn ich weitere detaillierte Informationen bekomme.

Phase 2: Vertrauen gewinnen
Zweites Mail um 21:45

Die Location ist noch nicht fix, da wir immer noch verhandeln. Aber es wird definitiv in Österreich, AUSTRIA stattfinden.  Sobald wir eine Bestätigung haben, geben wir Ihnen Bescheid.
Saal  50 Gäste, Bühnenshow und Tischzauberei, Licht und Tontechnik notwendig, Wir benötigen Sie für 3 Stunden.Start der Veranstaltung 14:00 h
Freundliche Grüße

Meine Antwort ging innerhalb weniger Minuten raus und ich schrieb ihnen höflich, dass ich einen „Auftrittsort“ benötige, um die genauen Fahrtspesen zu berechnen. Die Antwort kam am nächsten Morgen.

Phase 3: Vertrauen gewinnen, Teil zwei.
Mail erhalten am nächsten Morgen um  09:33

Wie immer kein richtiger Absender und keine Telefonnummer etc.

Das ist die Adresse des CONFERENCE CENTER:
Schlossplatz 1
2361 Laxenburg
Österreich
AUSTRIA
Viele Grüße

Jetzt wird’s spannend! Gestern Abend war noch kein Veranstaltungsort vorhanden und heute in der Früh schon fix gebucht. Ich bin bereit meine Kinder zu verwetten und rufe beim Conference Center an. Wie erwartet keine Buchung für diesen Tag. Es liegt noch nicht mal eine Reservierung oder eine Anfrage vor. Mein Bauchgefühl hat mich wieder einmal nicht getäuscht. Jetzt wird’s für mich lustig. Ich sende Ihnen ein Angebot, richtig fett und über drüber, mit allem Drum und Dran. Mal schauen wie sie reagieren und vor allem wie sie weiter vorgehen, um an meine Kohle zu kommen…

Phase 4: Finale. Jetzt geht‘s ans Eingemachte.
Mail erhalten um  15:39

Vielen lieben Dank für das Angebot. Nach Rücksprache mit meiner Cousine und ihrem Verlobten möchten wir Sie sehr gerne für diesen Tag buchen. Mein Onkel hat mir mitgeteilt, dass er leider nur mit einem Scheck eine erste Anzahlung tätigen kann und den Rest später überweist. Er sagt, Sie möchten ihm doch bitte alle Details senden, damit er einen EURO BANK SCHECK  für 50 % Anzahlung an Sie ausstellen kann. Der Scheck geht umgehend per Post an Sie raus.
DETAILS FÜR DEN EURO BANKSCHECK:
Vor- und Zuname :
Adresse :
Telefon Nummer :
Gesamt Betrag :
50 % Anzahlungssumme :
Hier sind meine Daten für Ihren Vertrag oder falls Sie mich kontaktieren möchten.
LYDIA xxxx
18 xxxx Street
London WC2N 6NN
UNITED KINGDOM
+44 XXXXXXXXX
Ich erwarte dringend Ihre Rückantwort!
Regards

Na ja, ganz bescheuert bin ich auch nicht. Aber sie bemühen sich richtig. Sie haben sogar ein Mobiltelefon mit englischer Vorwahl. Offensichtlich geht’s hier um Geldwäsche. Zuerst wird ein Scheck von einem „gehackten“ Bankkonto gesendet. Nach dem Einlösen kommt eine Stornierung der Veranstaltung. Die Anzahlung wird auf ein anderes Konto retourniert und das Geld ist gewaschen. Eine weitere Bestätigung, dass hier nicht alles sauber zugeht ist, dass beim “anonymen“ Mailabsender der Name „Lydia Emmanuell“ verwendet wird und jetzt im Absender „Lydia Micheal“. Beide Nachnamen mit außergewöhnlicher Schreibweise. Witzigerweise gehört dieser Name einer englischen Bloggerin, die einen Blog über Nigeria betreibt. Dies ist der nächste Hinweis auf die „Lagos oder Nigeria Connection“.
Schauen wir mal wie es weitergeht. Meine Antwort:

Herzlichen Dank für Ihr Mail! Ich bevorzuge eine Barzahlung beim Auftritt. Auf Grund der Geldwäsche Richtlinien des österreichischen Finanzministeriums ersuche ich Sie mir die Adresse Ihres Onkels inklusive Telefonnummer zu übersenden. Nach Verifizierung dieser Daten übersende ich Ihnen sehr gerne eine Auftragsbestätigung.

Upps, nix draus geworden. Mail erhalten um  16:20

Ihre Antwort:

OK, kein Problem.

Das war der letzte Kontakt. Ab jetzt nichts mehr gehört.
Ich habe zwischenzeitlich einen Freund in London kontaktiert, der früher für das englische Außenministerium tätig war. Wie vermutet ist der angegebene Name an dieser Adresse eine Fälschung.
Also: Augen auf und immer schön wachsam sein! Die Gier ist ein Hund……..

Jürgen Peter

Exclusive Magic Entertainment
www.zauberkuenstler.cc

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4 Kommentare zu "Neue Betrugsmasche in der Zauberbranche"

  1. Hallo Marion,

    der Link ist sehr interessant, danke!

    Mein Bekannter von der Kripo arbeitet beim Betrugsdezernat und die kennen dort sämtliche Tricks und natürlich auch solche, wie hier beschrieben wurde.

    Zu Deiner Frage:
    Nein, ich wäre nicht darauf reingefallen. Und natürlich kenne ich auch solche uralten Tricks wie den „Enkeltrick“, vor dem ja schon seit vielen Jahren in den Medien gewarnt wird.

    Was mir spanisch vorkommt, ist – wie gesagt – dass die Betrugsmafia sich neuerdings an Zauberkünstler ranmacht, um sie angeblich abzuzocken. Von meinem Bekannten hörte ich, dass die Betrügereien aus diesen Kreisen in der Regel erst ab 5.000 Euro beginnen.

    Die Gagen der durchschnittlichen Zauberkünstler liegen für Auftritte zu einer solchen kleinen Privatfeier für 50 Personen – wie schon in meinem letzten Kommentar beschrieben – bei ca. 600 bis 1.500, maximal 2.000 Euro (wobei es sich hier schon um einen Top-Profi handeln müsste). Die meisten Zauberer werden eher so um die 800.- bis 1.000 Euro kosten. Bei 50 % Anzahlung wären das nur 400 bis 500.- Euro zzgl. Spesen. DAS ist der Punkt. Bevor nun jemand einwendet „ja, da läuft das eben auf Masse…100 x 500 Euro sind auch 50.000 Euro“, sage ich, ja, das läuft mit den Mails (Anreißerschreiben) sowieso auf Masse, aber im ganz großen Stil und mit anderen Summen.

    Selbstverständlich ist nichts auszuschließen und Geschäftsmethoden – insbesondere die kriminellen – können sich täglich ändern.

    Es ist allerdings schon recht amüsant zu hören, dass sich die Abzocker nun auch an „Kleinkünstler“ (ein schreckliches Wort) heranmachen sollen – denn selbst bei Privatpersonen wie einsamen Damen, die im Internet Bekanntschaften machen wollen gehen die Summen meistens erst bei ca. 3.500 Euro los wie mir mein Bekannter schilderte.

    Nun ja, man lernt nie aus…

  2. Ich sage es ganz offen:
    Mir kommt die Geschichte spanisch vor. Sicher, möglich ist alles.

    Durchschnittliche Zauberkünstler nehmen für solche privaten Festlichkeiten (in Deutschland) ca. 600. – bis 1.500 Euro (die ganzen Billigheimer, die schon für 350.- Euro oder noch weniger auftreten, lasse ich jetzt mal weg, da die meisten unter ihnen ihre Gage sowieso nicht versteuern und deshalb nicht über Konten laufen lassen).

    Nun frage ich:
    Wer glaubt denn, dass solche Kriminellen sich an „kleine unbekannte“ Zauberkünstler ranmachen, bei denen nur solche uninteressanten Beträge zu holen sind?

    Ein guter Freund von mir, der bei der Kripo arbeitet, musste lauthals lachen, als ich ihm diese Geschichte am Telefon erzählte. Diese Kriminellen arbeiten im großen Stil und geben sich nicht mit solchen kleinen Summen ab.

    • Pierre,

      schau Dich mal auf dem von mir genannten Link um.

      Wer sich mit dem Thema Scamming beschäftigt, „riecht“ es eigentlich recht schnell, dass bei solchen Anfragen (manchmal auch Angeboten) was faul ist. Es sind bestimmte Komponenten, die bekannt sind und regelmäßig auftauchen:
      – Kontakt aus dem Ausland
      – Keine konkreten, kontrollierbaren und nachvollziehbaren Kontaktdaten, keine Postanschrift, keine bekannte E-Mail-Adresse, keine nachprüfbare Rufnummer, keine Webseite etc.
      – Im Gegenteil: Die eigenen (Bank-)Daten werden frech abgefragt, ohne selbst mit solchen Informationen in Vorleistung zu treten
      – Rascher Mailverkehr – Zeitdruck wird aufgebaut
      – Große Geldsummen werden in Aussicht gestellt
      – Ganze Branchen werden abgegrast. Zurzeit sind es offensichtlich außer den Zauberern auch Winzer – für jede Branche wird eine eigene Vorgehensweise entwickelt.

      Ich frage Dich: Hättest Du Dich darauf eingelassen, Deine Daten anzugeben und den Scheck eingelöst?
      Dann würd ich mir ernsthaft Sorgen um Dich machen – oder mal an Deiner Tür vorbeischauen und testen, was ich Dir alles an Abonnements etc. verkaufen kann. Oder ich würd Dich anrufen und behaupten, ich bin Deine Enkelin und brauch dringend Kohle 😉

      Was die Kripo angeht, deren Arbeit in allen Ehren, aber nicht jeder kennt sich mit jedem Phänomen vollständig aus.

      Ich glaube Jürgen, weil ich das Phänomen kenne, die „Zutaten“ stimmen – und er gesagt hat, dass er sein Angebot mächtig überzogen hat, weil er den Braten auch schon gerochen hat.

  3. Kleine Korrektur, die Gier ist kein Hund, sondern typisch menschlich 😉 Spannende Berichterstattung, die jetzt ja wohl jeden warnen sollte! Mich wundert immer wieder a) wie viel Mühe sich diese Scammer machen und b) wie viele Menschen auf sowas immmer noch hereinfallen. Aber Gier macht eben blind und da ist es irgendwie logisch, dass a) sich dann doch lohnt… Hier ein Link zu einer interessanten Seite zu diesem Thema: http://www.scambaiter.info Es gibt sogar einige kreative und intelligente Köpfe, die die Scammer so richtig richtig ärgern und an der Nase herumführen. Naja, jeder braucht irgendwie ein Hobby 😉

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