Das allerletzte Wort zur FISM 2025

FISM 2025 Turin: Eine Weltmeisterschaft der Zauberkunst im Spiegel
Es ist manchmal hilfreich, wenn man auf die internationalen Stimmen einer Veranstaltung fokussieren kann. Wie sehen eine Veranstaltung zahlende Besucher die viele Fachkongresse weltweit besuchen im Vergleich? Es geht um ein ehrliches und subjektives Bild von Reviews, die in keinem Abhängigkeitsverhältnis zum Veranstalter (moralisch oder organisatorisch) stehen. Message Control in Reviews gehört nicht in die Berichterstattung
Auch wenn manche Punkte für die Veranstalter in Turin nicht schmeichelhaft sind, bleibt doch das Fazit:
„Es war ein phantastisches Event, ein Fest von Kreativität, Innovation und künstlerischen Höhepunkten!“

Ein kombinierter Bericht von Tim Ellis & Greg Mitchell | Redaktionelle Bearbeitung: Hanno Rhomberg


Die große Bühne der Erwartungen
Seit Jahren hatte Walter Rolfo nicht weniger als die „beste FISM aller Zeiten“ versprochen. Die Realität in Turin war jedoch komplexer. Zwar war das Branding der „Masters of Magic“ auf Straßen und Plätzen omnipräsent, das FISM-Logo hingegen verschwand beinahe zwischen den Sponsoren. „Vielleicht wird es Zeit, dass FISM eigene Branding-Richtlinien erlässt,“ merkt Tim Ellis lakonisch an.

Greg Mitchell geht einen Schritt weiter: „Die vorab versprochene ‚Rückkehr in ein echtes Theater‘ erwies sich als irreführend.“ Denn der wahre Bühnenraum war ein improvisiertes Zelt auf einem Parkplatz, das für viele zum Sinnbild dieser FISM wurde: harte Plastikstühle, schlechte Sicht und ein Klima zwischen Kühlschrank und Tropenhaus. Die Bedingungen waren laut Ellis „nicht nur respektlos gegenüber dem Publikum, sondern auch gegenüber den Wettbewerbern“.
Hier Walter Rolfos gebrochene Versprechen: Ankündigung über Theaterbedingungen

Das Zelt und seine Schatten
Mitchell beschreibt das Zelt als „Desaster aus Stoff“. Die flache Konstruktion erlaubte nur wenigen Zuschauern klare Sicht zur Bühne. Die meisten mussten auf große Bildschirme ausweichen. „Menschen reisen nicht nach FISM, um Fernsehen zu schauen,“ so Ellis.

Backstage herrschte teilweise Chaos: Keine klare Leitung, gestohlene Requisiten, Zugang für Unbefugte. Ellis schildert einen Fall, in dem ein Künstler erst erfuhr, dass sein Vorgänger abgesagt hatte, als plötzlich sein Name aufgerufen wurde. Dies wurde uns auch von teilnehmenden Künstlern so bestätigt. Anders im Close-up Theater wo die Organisation wesentlich besser klappte.

Ein Vertrag, viele Fragen
Ein großer Kritikpunkt: Ein plötzlich vorgelegter Vertrag, der Loop Media uneingeschränkte Nutzungsrechte einräumte. „Unterschreiben oder nicht auftreten“ war die Botschaft, so Mitchell. Viele verweigerten die Unterschrift, andere zerrissen sie später. Ein solches Vorgehen „behandelt Profis wie Statisten“. FISM reagiert auf solche Kritiken nicht. Positive Öffentlichkeitsarbeit schaut anders aus. So werden Diskussionen weiter angeheizt.

Wettbewerbsorganisation: zwischen Licht und Schatten
Während Close-up (lobend erwähnt von Ellis für das Management durch Joan Caesar & Mike Miller) weitgehend reibungslos verlief, war der Stage-Wettbewerb teilweise chaotisch. Dazu: keine Pausen. Ellis kritisiert: „Wettbewerbe wurden zum Marathon, nicht zur Feier der Kunst.“ Nach Facebook-Protesten wurde immerhin eine 15-Minuten-Pause eingeführt. Ein weiteres Problem: Der Jury fiel es schwer, ohne WLAN zu werten – und niemand kam auf die Idee, einen Bleistift zu benutzen (Mitchell).

Die Gala-Shows: ein Wechselbad
Hochgelobt wurden die Opening- und Grand Prix-Galas. „Standing Ovations für jeden Act,“ so Ellis. Die „Ten Masters“-Show war solide, Close-up abwechslungsreich, David Stones anarchischer Stil sorgte für Begeisterung. Liebling der Herzen: Otto Wessely

Ganz anders die Comedy-Gala: Laut Ellis eine „Katastrophe“, laut Mitchell eine „Zumutung“. Zuschauer verließen reihenweise das Zelt. Lichtblick: Ellie & Jeki Yoo, Otto Wessely.

Topas unausgewogenen Moderation der Siegergala

Preisverleihung mit Flipflops
Mitchell kritisiert den Dresscode: „Shorts und T-Shirts bei Preisverleihung? Peinlich.“ Einigkeit besteht aber im Lob für die Videoproduktion: „Oscar-reif“ (Ellis). Auch die Siegerehrung hatte Glanzpunkte: Der Gewinn von Lea Kyle und Marina von Mind2Mind markierte einen historischen Moment für Frauen in der Zauberkunst.

Kongressbeutel & App
Hier stimmen beide überein: Inhalt top. App funktional, aber notwendig, da das gedruckte Programm nicht aktuell war.

Der Händlerbereich: ein Trauerspiel
Statt einer Messehalle gab es einen U-förmigen Flur mit Ständen – „Flohmarkt“ nennt es Mitchell. Sicherheitsbedenken inklusive. Für die hohen Standgebühren ein Affront.

Hotels, Shuttle und Gala-Dinner
Die offiziellen Hotels waren oft teurer als Direktbuchungen. Shuttlebusse überfüllt. Ellis berichtet von PR-Patzern im Nachgang, als Kritik im Facebook-Forum persönlich vom Veranstalter beleidigt und attackiert wurde. Das Gala-Dinner selbst aber: „festlich und gelungen“ (beide).

Vortragsüberflutung
„Zu viel des Guten“, so Ellis. 40+ Vorträge, viele leer. Arturo Brachetti sprach vor 30 Leuten, Dynamo in halbleerem Saal. Zu Shim Lim´s (per Video) gar nur 12 Teilnehmer. Workshops fielen aus oder waren sehr schlecht besucht.
Die Zeitplanung? Ein Albtraum. Galas, die erst um 2 Uhr morgens endeten. Wettbewerbe mit über sechs Stunden Dauer. Kaum Pausen. Ein gnadenloses Programm ohne Luft zum Atmen.

Lob für das Helferteam
Beide Berichterstatter loben das italienische Helferteam. Freundlich, kompetent, engagiert.

Fazit
„War es die beste FISM aller Zeiten? Nein,“ so Ellis. „Aber sie hatte Glanzlichter.“ Mitchell urteilt: „Trotz aller Schwächen ein gelungenes, wenn auch mit gravierenden Schwächen.“

Beide sind sich einig: FISM darf sich nicht nur nach innen richten. Es braucht mehr internationale Sichtbarkeit, klare Richtlinien, professionelle Begleitung und—bitte nie wieder ein Zelt.

Bis Busan 2028.

Weitere Sieger der Herzen und Favoriten ohne Preise:
FISM 2025 in Turin bot neben den offiziellen Preisträgern auch zahlreiche herausragende Acts, die trotz fehlender Trophäe das Fachpublikum begeisterten. Von innovativer Close-up-Kunst über originelle Sprech-Manipulation bis zu epischen Bühneninszenierungen – diese Künstler erhielten Standing Ovations, galten in Expertenkreisen als „preiswürdig“ und wurden in internationalen Foren und Blogs ausdrücklich lobend erwähnt. Ihre Performances stehen exemplarisch dafür, dass nicht jeder Gewinner einen Preis braucht, um im Gedächtnis der Zuschauer und Kollegen als Gewinner der Herzen dazustehen.
In Ihrer Enttäuschung suchten manche Zauberfreunde den Grund für fehlende Preise in einer „überalterte Präsidentenjury“. Wenn man allerdings die Jury unter die Lupe nimmt sind darin großteils aktive, erfolgreiche Zauberkünstler in der klaren Überzahl.

Hier ein kleiner Auszug:

Close-up-Wettbewerb (Nah-, Karten- und Salonmagie)
Omini & Nico (Mikromagie, Schweiz) – 
Ein komödiantisches Duo-Act zum Thema „Virus“. Die Darbietung war kreativ, temporeich und voller origineller Ideen“
Obwohl sie keinen Preis gewannen, wurde ihr Act vom Publikum und Fachleuten wegen des humorvollen Themas und der starken Umsetzung positiv hervorgehoben.


Jin Hyoung Han (Mikromagie, Südkorea) – 
Eine visuell atemberaubende Performance mit Alltagsgegenständen aus Zellophan. Diese hochkünstlerische und originelle Nummer wurde vom Publikum enthusiastisch gefeiert 

Sho Takashige (Parlour/Salonmagie, Japan) – 
Eine poetische Inszenierung: Sho tritt als bettelnder Straßenkünstler mit einem Schild auf, das sich in eine Spieluhr verwandelt.  Sho erhielt einen stürmischen, hochverdienten stehenden Applaus. Trotz fehlender Auszeichnung gilt dieser Act für viele als künstlerischer Höhepunkt der Close-up-Wettbewerbe.

Dowon Park (Mikromagie, Südkorea) – 
Hochexplosiver Rhythmus-Act mit Cup-and-Ball-Elementen. Die Darbietung strotzte vor Energie und Einfallsreichtum; das Publikum klatschte im Takt mit und spendete am Ende stehende Ovationen. Diese mitreißende Performance wurde als „ein riesiger Energieschub voller Kreativität“ gefeiert.

Toby Rudolph (Mikromagie, Deutschland)  
Ein äußerst unterhaltsamer Close-up-Act mit einem Kartenspiel „Cards Against Magicians“ als roter Faden. Die Magie (Farbtrennungen, Kartenwandlungen etc.) war tricktechnisch stark, vor allem aber überzeugte Tobys Persönlichkeit: Er bewies, dass Magie nicht nur vom Trick, sondern vom Künstler selbst lebt. Obwohl Toby keinen Preis gewann, wird sein Act als Paradebeispiel dafür gesehen, wie originell und publikumswirksam Close-up-Zauberei sein kann.


Bühnenwettbewerb (Stage Magic: General Magic, Manipulation, Comedy, Illusionen etc.)

Read Chang (General Magic, Südkorea) 
Ein junger Magier mit einem spektakulären Zeitreise-Thema.  Diese hochvisuelle Nummer wurde vom Fachpublikum als “unglaubliches Augenschmaus” bezeichnet und gleich mit zwei Standing Ovations bedachtTrotz leer ausgegangener Wertung gilt Read Changs Act als einer der übersehenen Höhepunkte – viele hätten ihn auf dem Siegerpodest erwartet.

Magic Maxl (Comedy Magic, Deutschland)
Eine mitreißende Comedy-Nummer mit Feuerwerk zum Finale. Maxls Persönlichkeit begeisterte die Zuschauer vom ersten Moment; die Halle belohnte ihn mit frenetischem Applaus und einer unglaublichen Standing Ovation.  Trotz fehlender offizieller Trophäe gilt Magic Maxl unter Experten als „übersehener“ Gewinner, dessen frische und spaßgeladene Performance preiswürdig gewesen wäre.

Doble Mandoble (Comedy Illusion, Belgien)
Ein Zauber-Duo, das mit dem Genre Illusionen herrlich Selbstironie trieb. Das Publikum hat Tränen gelacht und den Act sichtlich genossen. Zwar ging Doble Mandoble leer aus, doch in Foren wurde ihr Beitrag als Highlight der Comedy-Kategorie gehandelt.

Maurice Grange (Manipulation, Deutschland)
Innovatives Sprech-Zauber-Act eines 20-jährigen Nachwuchstalents: Maurice brach mit der FISM-Tradition stummer Manipulationsacts und brachte Persönlichkeit auf die Bühne  „etwas ganz Besonderes… einer meiner Lieblings-Acts des Kongresses. Bravo!“  Obwohl Maurice keinen Preis erhielt, gilt er als Geheimtipp der Jury-Beobachter – ein Beleg für die aufstrebende neue Generation deutscher Magier.

John Zhang (General Magic, China) – 
Ein Act der Superlative in Sachen Bühnenbild und Requisiten. Obwohl er von der Jury übergangen wurde, gilt John Zhangs Performance als Publikumsfavorit, der gezeigt hat, wie man mit Technik und Requisiten in der Zauberei eine mitreißende Story erzählen kann.

Chung Yao (General Magic, Taiwan)
 
Ein artistisch-düsterer Entfesslungsact mit Zeitschleifen-Thematik: Chung Yao erschien gefesselt und geknebelt auf einem Stuhl unter einer flackernden Lampe – ein Magier als Entführungsopfer. Das Publikum honorierte diese originelle Mischung aus Mime, Horror und Magie mit Standing Ovation. Obwohl Chung Yao keinen Platz auf dem Siegerpodest erhielt, wurde sein Act als künstlerisch besonders wertvoll angesehen – eine mutige Fusion von Theater und Magie, die vielen in Erinnerung blieb.


Mellow (General Magic, Deutschland)
Ein junger professioneller Künstler mit frischen mitreißenden Ideen. Zeitgemäße und moderne Umsetzung. Er ist definitiv einer, den man in Zukunft im Auge behalten sollte.

Quelle:
Tim Ellis (Austrialien):   FISM Bericht  Wordpress Seite Tim Ellis
Greg Mitchell (Südafrika):  FISM Bericht Genii Form
Magic Postcast (): ( kostenpflichtiger Podcast)

Zusammenfassung: Chat GPT + Ergänzung Allg. Berichte: Hanno Rhomberg

2 Kommentare zu "Das allerletzte Wort zur FISM 2025"

  1. Pierre Castell | 22. Juli 2025 um 16:25 | Antworten

    Magic Maxl bei den Bewertungen nur im Mittelfeld?
    Kann das gar nicht glauben, wenn ich hier wiederholt lese, wie er den Saal gerockt hat.

    Es ist nur eine Spekulation, aber meine innere Stimme sagt mir, dass ich meine Vermutung mal ruhig laut aussprechen soll: Könnte es sein, dass „das deutsche Volk“ – weltweit gesehen – immer unbeliebter wird? Und Magic Maxl es deswegen nicht auf den 1. oder zumindest 2. Platz geschafft hat?

    Jedes Jahr, wenn ich beim Eurovision Song Contest die wenigen Punktvergaben für Deutschland sehe, bekomme ich ein seltsames Gefühl.

    Schade, wenn bei Wettbewerben anhand politischer Ansichten im Ausland nicht fair beurteilt würde!

    • taschenspieler | 22. Juli 2025 um 22:27 | Antworten

      Nein unsere deutschen Zauberkünstler sind in der FISM und International sehr anerkannt und geschätzt. Eine Standing Ovation ist ja noch kein Grund für einen Platz, denn es gab so viele Standing Ovation dass es wenn jeder einen Preis bekommen hätte eine ganze Flug von Platzierungen gegeben hätte. Die Standing Ovation wurden teilweise auch von Ländervertretern (aller) provoziert und Stimmung gemacht. Das ist ja auch ok so.
      In einem internationalen Kongress urteilt eine internationale Jury und Humor ist abhängig von Kulturen. Ich erinnere mich an einen österreichischen Meister der bei der FISM WM disqualifiziert wurde.
      Comedy ist eine sehr schwierige Disziplin. Was für den einen Klamauk ist ist für den anderen lustig. Für uns war die Nummer von Maxl sehr lustig, für andere war das drumherum too much. Comedians in anderen Kulturen kommen auf die Bühne und legen los. Maxl reist für 10 Minuten mit einem LKW und einem ganzen Team an. Ich habe mit meinen Freunden vom Magic Circle in England gesprochen, die damit überhaupt nichts anfangen konnten. Aber wie gesagt das ist eben Geschmacksache. Da Maxl auch MRA Mitglied ist hat mich das auch betroffen gemacht, weil ich weiss, wieviel Arbeit in den 10 Minuten stecken. Und die Story ist auch echt witzig. Aber es hat leider nicht gereicht an diesem Tag. Aber wie man in den internationalen Reviews auch lesen kann, es gab vielen denen es super gefallen hat. ABer die Konkurrenz war auch sehr sehr stark.

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