Das erste Mal ist immer besonders!

Aber wie fühlt es sich in der Zauberei an?
Text und Fotos: Hanno Rhomberg

Das erste Mal ist immer etwas Besonderes. Man erinnert sich daran: der erste Schultag, der erste Kuss, der erste Bühnenauftritt vor zahlendem Publikum. Das sind Erlebnisse, die ein Leben lang bleiben. In die Schule gehen muss jeder, Küssen geschieht intuitiv – doch ein Bühnenauftritt vor zahlendem Publikum ist nur jenen vorbehalten, die viel Arbeit und Hingabe in ihre Leidenschaft investieren. Ob Schauspiel, Musik oder Zauberkunst: Dieses Gefühl kann nur nachvollziehen, wer es selbst erlebt hat.

Viele Stunden des Übens, unzählige Gedanken zur Präsentation, die Suche nach der richtigen Musik, der Feinschliff vor dem Spiegel und mit kritischen Freunden. Und dann ist er da, der Moment: Man steht im Seitenflügel, die Hände schwitzen, das Herz klopft, die Ansage ertönt. Man tritt hinaus ins Licht, lächelt in ein helles Meer und sieht nichts – und ist doch ganz bei sich.

Diese Gedanken gingen mir am 8. Februar durch den Kopf, als ich in Pullach im wunderschönen Tresor Vinum die Abschlussprüfung des dritten Semesters der Zauberakademie Deutschland besuchte. Den weiten Weg nach München nahm ich nicht auf mich, weil ich Weltklassezauberei erwartete – nach so kurzer Beschäftigung mit dieser Kunst wäre das unrealistisch. Doch ich wurde mehr als positiv überrascht. Es war erstaunlich, was hier bereits gezeigt wurde

Ausgefeilte Texte, stimmige Musik, gut getimte Vorführungen, teilweise sehr saubere Techniken und – für ein erstes Auftreten – ein bemerkenswert sicheres Auftreten. Die Entwicklung und das Potenzial der Kandidaten waren deutlich spürbar. Und es handelt sich hier ja auch nicht um gewöhnlichen Nachwuchs: Es sind Schülerinnen und Schüler der wohl renommiertesten Zauberakademie im deutschsprachigen Raum. Die Zauberakademie Deutschland arbeitet mit professionellem Lehrplan und ausgezeichneten Referentinnen und Referenten. Gegründet von Harold Voit und mit viel Herzblut von ihm und seiner Familie geführt, hat sie bereits großartige Künstler hervorgebracht. Dass sein Werk in guten Händen liegt, zeigten Elisa und Michael Wax sowie Akademiedirektor Janis von der Borme, der souverän durch das Programm führte.

Der Raum war mit rund 80 Personen ausverkauft, viele bekannte Gesichter aus der Szene waren anwesend. Um 18:00 Uhr begann die Show pünktlich. Janis führte durch den Abend und eröffnete mit der Punktekarte, die er immer wieder auf intelligente Weise variierte und so den Blick für Sinnestäuschungen schärfte. Als roten Faden spannte er seine Geschichten aus aller Welt, die er stimmungsvoll inszenierte. Er moderierte sehr persönlich und wertschätzend und stellte jede Künstlerin und jeden Künstler individuell vor.

In der ersten Hälfte zeigte er zwischen den Auftritten jeweils ein eigenes Kunststück (Silk Wonder, Hindufaden, Tuchröhre, Kartenwanderung), wunderbar präsentiert. In der zweiten Hälfte verzichtete er auf diese Zwischeneffekte.

Simon Schandl
Simon präsentierte in jugendlich-lässiger Manier eine schöne Becher-Routine mit Barutensilien, die logisch in der Produktion von Zitronen mündete und als Höhepunkt eine Flüssigkeit aus dem Shaker hervorbrachte. Natürlich, zeitgemäß und sehr sympathisch.

Jana Jocher
Jana inszenierte den Beginn ihres Programms sehr besonders und machte aus einem Seidenpapier-Zerreißen eine poetische Geschichte. Eine kreative Präsentation, die diesem klassischen Effekt eine stimmige und persönliche Note gab.

Matthias Gelmroth (ChrisMagic)
Matthias zeigte den Effekt „Karte in Zitrone“. Das Besondere: Auf dem Tisch stand ein Zitronenbaum, von dem er die Zitrone pflückte, in der sich die Karte befand. Eine schöne visuelle Idee.

Franz-Xaver Lechner
Franz-Xaver präsentierte eine klassische Routine mit Seil und Ringen zur Musik. Eine kurze Seilroutine und zum Abschluss eine sauber vorgeführte Drei-Ring-Routine.

Stephan Lee
Als Technikprofessor getarnt, gab Stephan eine Lektion über das physikalische Phänomen des Lichts. Ausgehend von einem roten Laserstrahl entpuppte sich das Finale als Flut roter Schwammbälle. Die Benson-Bowl-Routine war mir bekannt, doch ich hätte ihm die Professorenrolle sofort abgenommen – auch dank der gelungenen Anmoderation.

Roland Schandl (Hausmeister Huber)
Ebenso überzeugend stellte Janis seinen Freund Roland als Hausmeister Huber vor, der für einen befreundeten Lufthansakollegen auftrat. Schauspielerisch sehr authentisch und mit viel Humor zeigte er schließlich Jörg Alexanders „Zehn-Karten-Kunststück“ sauber und pointiert.

Philip Burgmair (Philip Mesmero)
Der junge Philip schlüpfte in die Rolle eines düsteren Mentalzauberers. Sein Auftreten erinnerte an Jan Becker. Er zeigte einen Buchtest und eine dreifache Vorhersage klassisch, ohne technische Hilfsmittel. Eine stimmige Bühnenfigur, die er konsequent durchhielt.

Michael Lode (Mike)
Michael präsentierte eine Tabary-Seilroutine klar und gut strukturiert, mit eigenem Touch.

Christian Obermair (Amadeo)
Er zeigte zu langsamer Musik und poetischem Text Tuch-Effekte, sehr ruhig und stimmungsvoll.

Janis beendete die Show mit seiner Variante des Kubusspiels, bei der am Schluss ein Würfelstapel verschwand.

Langanhaltender Applaus eines begeisterten Publikums folgte. Es gab Schlussworte von Elisa und Michael, Dankesworte von Harold Voit, ein großes Finale – und für mich ging es wieder zurück nach Tirol.

Was bleibt mir persönlich in Erinnerung?
Ich bin froh, dabei gewesen zu sein, auch um mich in die Situation der Zauberschüler hineinzuversetzen und dieses Gefühl wieder nachzuvollziehen. Zu jeder Nummer ließe sich Feedback geben, doch das ist hier nicht der richtige Rahmen. Alle waren beeindruckend – durch Technik, Auftreten, Gestaltung oder Dramaturgie. Es war deutlich zu spüren, wie viel Arbeit dahintersteckt.

Auffällig war, dass viele erzählende Präsentationen gezeigt wurden. Das ist eine der schwierigsten Sparten, da sie hohe Anforderungen an Stimme, Text und Authentizität stellt. Der Text muss relevant sein, zur Person passen und berühren. Dass so viele diesen Stil wählten, hat mich überrascht.

Was mir etwas gefehlt hat, waren reine Musiknummern, die international vermarktbar sind. Natürlich kann man das von Studierenden nicht erwarten, doch im internationalen Gala- und TV-Bereich besteht hier ein Bedarf. Viele visuelle Routinen gewinnen, wenn man ihnen Raum gibt und die Magie einfach wirken lässt.

Sehr gelungen fand ich, dass viele Sprechnummern mit Musik kombiniert wurden – ein Stil, der auch international immer mehr Bedeutung gewinnt und Erzählungen atmosphärisch tragen kann.

Gratulation an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die alle ihre Prüfung bestanden haben und ins letzte Semester aufsteigen. Um den Zaubernachwuchs muss man sich keine Sorgen machen. Eine solche Ausbildung ist eine wunderbare Möglichkeit, Zauberkunst fundiert zu erlernen.

Elisa und Michael bieten darüber hinaus zahlreiche Kurse für Zauberer an, die sich vertieft mit speziellen Themen beschäftigen möchten. Ein Blick darauf lohnt sich. Dort unterrichten große Namen der Szene. Ich kann das nur empfehlen – es zeigt, wie fundiert und durchdacht die Zauberakademie Deutschland arbeitet.

Kontakt und weitere Infos:
ZAUBERAKADEMIE DEUTSCHLAND
Eichleite 3
82031 Grünwald
https://zauberakademie-deutschland.de

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