FISM Turin 2025 – Wettbewerb Tag 4 (Donnerstag)

Der Wettbewerb scheint immer stärker zu werden. Das Niveau ist sehr hoch und wir veröffentlichen hier wieder die Besprechungen der Künstler aus Deutschland, Österreicher und der Schweiz) der internationalen Berichterstatter Tim Ellis (Australien) und Graig Mitchell (Südafrika) die seit vielen Jahren die Darbietungen beim Wettbewerb FISM online kommentieren.

Die Österreicher haben ja ihr Programm absolviert und können entspannt die Wettbewerbe anschauen.

Übrigens war der innovativste Act auf der Bühne für den früheren FISM Preisträger Tim Ellis bis Donnerstag die Darbietung von Raphael Macho. Ein Programm das wie er sagt ein kleines Theaterstück über Depression und Ängste ist und in dieser Form sehr experimentell mutig und nicht für Wettbewerbe konzipiert ist.

Und dann waren da noch zwei weitere MRA Mitglieder die für ihren Heimatverein MZvD gespielt haben und zwei heiße Anwärter auf einen FISM Preis sind!

Dem MZvD Team gratulieren wir sehr herzlich! Sie haben unglaubliche Programme präsentiert die für Erstaunen bei Graig Mitchell und Tim Ellis gesorgt haben.

Wer die letzten Jahre auf Kongressen präsent war weiß, wieviel Arbeit in den Programmen steckt die über Jahre zu dem gewachsen sind, was sie heute sind!

Bemerkenswert auch das MZvD Team das wie eine Mauer hinter ihrem Team steht und die Künstler unterstützen. Sie stehen auch für unser Österreichisches Team und dem Schweizer Team mit Rat und Tat vor Ort zur Verfügung. Dafür ganz herzlichen Dank!

Doch nun zu den Wettbewerber aus Deutschland die Donnerstag aufgetreten sind:

Donnerstag, 17. Juli 2025
CHRISTIAN BRANDES (Deutschland) – Close-up / Karten
Christian ist Deutscher Meister 2024 in der Sparte Kartenmagie (1. Platz) und belegte zudem den 2. Platz in der Mentalmagie.
Sein Auftritt begann mit einer ungewöhnlichen Entscheidung: Die Zuschauerin saß im Mittelpunkt des Tisches, während Christian als „Assistent“ seitlich Platz nahm. Das Konzept: Die Zuschauerin ist die Magierin. Allerdings wirkte sie mit dieser Rolle zunächst etwas überfordert.
Zunächst wählte Christian Karten, die die Zuschauerin korrekt „erriet“. Danach signierte er selbst eine Karte, mischte sie ins Spiel, ließ sie verschwinden – und sie tauchte unter dem Stuhl der Zuschauerin wieder auf.
In einer weiteren Phase wurde eine Karte gewählt und in das Spiel gemischt. Eine Zahl (24) wurde genannt, das Spiel mehrfach durchmischt – und schließlich lag die gewählte Karte genau an dieser Stelle.
Die Idee des Rollentauschs bot viel Raum für Humor, und die Irritation der Zuschauerin sorgte für herzhafte Lacher. Ein unterhaltsames Konzept mit sympathischem Witz.
– Tim Ellis

Ein Tim-Ellis-Doppelgänger eröffnet die Darbietung mit einem charmanten Rollentausch: Die Zuschauerin wird zur Magierin, während der eigentliche Magier sich als „Freiwilliger“ zurücknimmt.
Zum Einstieg folgt ein Rot-oder-Schwarz-Spiel – Karten werden einzeln gezogen, während die Zuschauerin die Farbe korrekt vorhersagt. Dann erscheint ein gefalteter Origami-Hase in der Kartenschachtel – ein verspieltes Element, das den Ton des Acts vorgibt.
Eine signierte Kreuz-König-Karte verschwindet… und taucht unter dem Stuhl der Zuschauerin wieder auf. Da die Karte allerdings von Christian in seiner Rolle als „Zuschauer“ signiert wurde, verliert der Effekt bei genauer Betrachtung etwas an Magie.
Der Origami-Hase wird theatralisch über den Tisch gehüpft und auf einem ausgebreiteten Kartenspiel platziert. Am Ende erscheint die gewählte Karte an der genannten Position – ein Quasi-ACAAN. Der Rollentausch bleibt das tragende Element dieser originellen und unterhaltsamen Routine.
– Graig Mitchell

TOM MERTEN (Deutschland) – Close-up / Karten
Über Tom Merten ist bislang wenig bekannt – doch er hinterließ Eindruck.
Er eröffnete seinen Auftritt mit der Aussage, dass er eigentlich eine Münznummer vorbereitet habe, nun aber in der Kartenkategorie antrete. Auf die Frage, was er tun solle, habe er einfach ChatGPT gefragt, so Tom augenzwinkernd.
Eine gewählte und signierte Karte wechselte sichtbar ihre Rückenfarbe – von Blau zu Rot. Es folgte ein Vier-Asse-Effekt, eine weitere signierte Karte und schließlich ein „Überraschungsfinale“ mit einer Karte am unmöglichen Ort. Durch seine ruhige, freundliche Ausstrahlung gewann Tom schnell die Sympathie des Publikums und erhielt am Ende sogar eine Teil-Standing-Ovation.
– Tim Ellis

Tom begann stark mit einer Münze, die sich visuell in eine Spielkarte verwandelte. Er streute einen wiederkehrenden Gag ein – basierend auf dem klassischen „Daumen abziehen“-Trick, komplett mit übergroßer Daumen-Requisite und augenzwinkerndem Humor.
Eine ausgewählte und signierte Karte (7♥) hatte zunächst eine blaue Rückseite, die sich dann visuell in eine rote verwandelte. Es folgten elegante Verwandlungen, Verschwindenlassen, „Thumb Palms“ und die überraschende Rückkehr der ursprünglichen Münze. Besonders der Übergang von Karte zu Münze und zurück war visuell stark.
Im „Turin-Finale“ verwandelte sich ein rotrückiges Ass sichtbar in die signierte 7♥, und das letzte Ass fand sich schließlich – zur Freude des Publikums – im überdimensionalen Daumen wieder. Clevere visuelle Effekte und feine Technik brachten Tom verdient eine Standing Ovation ein.
– Graig Mitchell

MAURICE GRANGE (Deutschland) – Bühne / Manipulation
Mit gerade einmal 20 Jahren präsentierte Maurice eine sprechende Manipulationsnummer – er erzählte seine persönliche Geschichte, während er gekonnt mit Billiardbällen und Spielkarten manipulierte.
Zum Abschluss gab es eine kurze Musikpassage, doch die wahre Wirkung lag im Gesamteindruck: Maurice beantwortete auf seine Weise die Frage, was es braucht, um in der Manipulationskategorie aufzufallen. Mit Persönlichkeit, sauberer Technik und erzählender Magie sicherte er sich eine verdiente Standing Ovation.
– Tim Ellis<


Mit gerade einmal 20 Jahren präsentierte Maurice Grange etwas, das man nur äußerst selten erlebt: einen sprechenden Manipulationsact – und der war nicht nur persönlich, sondern auch noch witzig (von einem Deutschen!). Er eröffnete mit trockenem, selbstironischem Humor: „Ich bin Manipulator … und ich habe eine Freundin.“ Mit diesem Ansatz nahm er unsere geliebte Kunstform charmant auf die Schippe, bevor er nahtlos in beeindruckende Kartenproduktionen, farbwechselnde Fächer und klassische Manipulation überging. In Deutschland passiert gerade etwas Besonderes: Eine ganze neue Generation junger Künstler steht in den Startlöchern – und Maurice gehört definitiv dazu. Eine faszinierende Mischung aus Sprache, Bedeutung und Musik in einem Manipulationsact! Wann hat man zuletzt das Gefühl gehabt, einen Manipulator wirklich kennenzulernen? Einer meiner Lieblingsauftritte des gesamten Kongresses. Bravo!
Graig Mitchell

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