FISM Turin 2025 – Wettbewerbe Tag 3 (Mittwoch)

Der dritte Tag der FISM WM hatte 2 Österreicher, 4 Deutsche und 1 Schweizer Kollegen im Wettbewerb.
Wie bereits für Tag 1 und 2 (https://www.aladin.blog/wettbewerbsbesprechungen-fism-aktuell/)
haben wir uns bei den zwei erfahrenen unabhängigen internationalen Reviewer umgehört.
Der Australier Tim Ellis und der Südafrikaner Graig Mitchel kommentieren seit vielen Jahren den Wettbewerb bei FISM Weltmeisterschaften. Ein Gelegenheit ihre subjektive Meinung zu lesen!
Warum wir gerade die Beiden ausgewählt haben? Es sind die Einzigen, die jede Nummer der Wettbewerbe besprechen und das seit Jahren.
Das letzte Wort spricht aber die Jury, die die Resultate Samstag Nacht bekannt geben wird.

Donnerstag, 15. Juli 2025

MARKUS BILLNER (Deutschland) – Close-Up


Sein Auftritt begann mit einem kurzen Film, der ins New York der 1920er-Jahre entführte. Wir sahen ein „Wundershop“ mit dem Schild „Bin in 10 Minuten zurück“, als Markus die Bühne betrat.
Was folgte, war eine charmante Hommage an den Zauberlehrling: Eine geheimnisvolle Flasche offenbarte eine erste Münze, gefolgt von kunstvollen Verschwinden, Verwandlungen und immer mehr Münzen, bis der ganze Tisch bedeckt war.
Einige Lapping-Sequenzen waren noch nicht ganz ausgereift, doch insgesamt war der Auftritt hervorragend choreografiert, ausdrucksstark gespielt und kam beim Publikum sehr gut an.
– Tim Ellis

Die Grenzen zwischen Close-Up und Bühne verschwimmen, wenn Markus mit einem Intro-Video beginnt und eine magische Geschichte erzählt: Ein Fremder betritt einen Zauberladen, eine Flasche beginnt zu klirren – Münzen und eine Lupe erscheinen und verschwinden, Münzen lösen sich sichtbar in Metallsplitter auf, gefolgt von einer Matrix-Sequenz und einem eindrucksvollen Münzregen zum Finale.
– Craig Mitchell


KLAUS WIEDERMANN (Österreich) – Parlour

„Als Kind hatte ich einen Traum: Ich wollte Steuerberater werden.“
Die Musik war deutlich zu laut, aber Klaus bewahrte die Ruhe. Er sprach über die Verbindung zwischen Steuerrecht und Profitennis, ließ dabei Münzen und eine Unmenge Tennisbälle erscheinen und führte seine Erzählung mit geschickter Kartenmanipulation weiter aus.
Die Nummer erinnerte an das MagicSports-Spiel „Instant Tradeshow“.
– Tim Ellis

„Ich wollte Steuerberater werden“ – sagte nie ein Zauberer.
Klaus verband seine Liebe zum Tennis mit dem Wunsch, Steuern verschwinden zu lassen: Jumbo-Münzen, Tennisbälle, Misers Dream, Fächer aus Karten, klassische Kartenmanipulation – ein humorvoller Act mit einem ganz eigenen Stil. Viele der Künstler bei FISM könnten seine steuerliche Hilfe bald gut gebrauchen.
– Craig Mitchell


TOBY RUDOLPH (Deutschland) – Close-Up

Was für ein großartiger Act – getragen von Tobys sympathischer Persönlichkeit und der originellen Idee: „Cards Against Magicians“.
Zuschauer zogen Fragenkarten mit den skurrilen Dingen, die Magier ständig gefragt werden – und diese Fragen bildeten die Struktur des gesamten Auftritts. Tobys Version von Öl-und-Wasser war intelligent aufgebaut und erinnerte an ein MagicSports-Spiel.
– Tim Ellis

Toby ist eine echte Frischzellenkur für die Szene – unglaublich unterhaltsam.
In Anlehnung an das Spiel „Cards Against Humanity“ präsentierte er einen riesigen Stapel mit Fragen, die Magier immer gestellt bekommen. Daraus entwickelte sich eine clevere Öl-und-Wasser-Routine, bei der sich Farben unter absurden Bedingungen trennen.
Ein Paradebeispiel dafür, dass Magie nicht nur Technik ist, sondern Persönlichkeit. Bravo!
– Craig Mitchell


DER EDUARD & DIE QUEEN (Österreich) – Parlour

Eduard stellte sich als „größter Detektiv der Welt“ vor – einer, der Verbrechen bereits lösen kann, bevor sie passieren. Gemeinsam mit seiner Frau spielte er ein theatralisches Stück über einen Mordfall in der Zukunft.
Ein Zuschauer sollte Täter, Opfer und Tatzeit bestimmen – die Vorhersage passte.
Die pantomimenhafte Überzeichnung war jedoch etwas zu viel, und die Darbietung wirkte insgesamt nicht ganz FISM-würdig.
– Tim Ellis

Eduard behauptet, er könne Morde lösen, noch bevor sie begangen werden.
Zusammen mit seiner Frau präsentiert er ein Theaterstück rund um eine Maschine, die Täter, Opfer und Uhrzeit eines Verbrechens voraussagt.
Ein Zuschauer wird ausgewählt – sein Name erscheint später sogar im Hut, den er selbst trug.
Die Vorhersage funktionierte, aber der überzogene Schauspielstil wirkte unfreiwillig komisch und passte nicht recht zum Niveau eines FISM-Wettbewerbs.
– Craig Mitchell


MAGIC MAXL (Deutschland) – Bühne, Comedy

Maxl betrat die Bühne mit Selbstironie und perfektem Timing – sein Ziel: das Herz seiner Traumfrau (eine Zuschauerin) zu erobern.
Mit einem Mix aus Karten, Zauberwürfeln und Comedy zündete er ein wahres Feuerwerk: Flammen, Konfetti, Pyrotechnik, fliegende Requisiten und zum krönenden Abschluss – eine schwebende Maxl!
Großer Applaus und Standing Ovation.
Aber: Hat er genug Pyro für eine zweite Runde im Finale? (Und: Er wird gewinnen!)
– Tim Ellis

Die Geschichte beginnt mit Maxl, der als Kind wegen seines magischen Vaters gehänselt wurde („Dein Vater ist ein Mentalist!“).
Im Zentrum: Gertrude – sein heimlicher Schwarm aus dem Publikum. Um sie zu beeindrucken, zeigt er klassische Zaubertricks (verschwundene Flasche, Gedankenlesen), jongliert Äpfel, löst einen Rubik’s Cube im Beutel und lässt die gewählte Karte im Jonglierkeule erscheinen.
Das Finale ist ein überbordender Rausch aus Effekten, Slapstick und Pyrotechnik – bis zur Levitation.
Maxl ist eine Wucht auf der Bühne. Seine Energie, sein Humor und seine Selbstironie reißen das Publikum mit.
– Craig Mitchell


RAFAEL SCHOLTEN (Schweiz) – Bühne, Manipulation

Rafael zeigte eine klassische Billiardball-Manipulation mit Tapdance-Einlagen. Leider waren manche Griffe und Ladungen sichtbar.
Später wechselte er zu Karten, die er sauber manipulierte – solide Club-Performance, aber nicht auf FISM-Niveau.
Ein Kostümwechsel hinter dem Vorhang und ein Kartenwurf ins Publikum beendeten den Act.
– Tim Ellis

Fred Astaire wäre neidisch – ein Stepptanz-Zauberer mit Bällen und Karten.
Doch leider nicht auf Wettbewerbsniveau.
– Craig Mitchell


LUCAS KAMINSKI (Deutschland) – Bühne, Allgemeinmagie

Lucas stellte einen Vogelkäfig vor, pustete eine Seifenblase, die über die Bühne schwebte – offenbar gelenkt.
Er setzte sie in den Käfig – sie schwebte weiter, das Türchen öffnete sich, die Blase flog heraus.
Dann „beatmete“ er sie durch einen Fingerstoß – und sie zerplatzte in Hunderte kleiner Blasen.
Standing Ovation – zweifellos einer der originellsten Acts.
– Tim Ellis

Lucas, gekleidet wie aus 1001 Nacht, inszeniert eine Seifenblasen-Zeremonie, die sich sehr in die Länge zog.
Eine Blase wird wie ein Haustier gehätschelt, in einen Käfig gesetzt, schwebt wieder heraus, wird durchstoßen – und zerplatzt in ein Blasenmeer.
Das Publikum wirkte teils erschöpft, aber die Idee war ungewöhnlich.
– Craig Mitchell

1 Kommentar zu "FISM Turin 2025 – Wettbewerbe Tag 3 (Mittwoch)"

  1. Pierre Castell | 17. Juli 2025 um 13:19 | Antworten

    Ich weiß nicht, ob schon darauf hingewiesen wurde – es werden auch täglich Videos gepostet:

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