Sternstunde in Graz

Kennen Sie das Gefühl, wenn Sie in einer Vorstellung im Theater sitzen und sich wünschen, die Show wäre noch lange nicht zu Ende, weil Sie berührt, erstaunt und bestens unterhalten wurden?
Zugegeben, im Laufe der Zeit erlebt man das als Kenner der Zauberszene immer seltener. Man hat vieles schon gesehen, wird kritischer und sieht Programme aus einer abgeklärteren Perspektive. Und da ich in meiner Eigenschaft als Redakteur und Liebhaber der Zauberkunst wohl 100-te Acts gesehen habe, ist man auch verwöhnt.

Ich mag eigentlich keine Zauberkunst, aber hab Karten geschenkt bekommen. Ich gehe begeistert nach Hause, denn so zeitgemäß, intelligent und unterhaltsam bin ich selten unterhalten worden. Ich komme bestimmt wieder mit Menschen, die ich mag, hierher.

Zuschauerstimme nach der Show am 6. Februar 2022


Als ich gestern Abend nach dem Programm von Magic Sunday ins Freie trat, war so ein Glücksmoment. Die Zeit war viel zu schnell vorbei, und ich habe ein Programm erlebt, dass mich stolz auf unsere Kunst gemacht hat.
Ohne Wenn und Aber war es das beste Magic Sunday Programm, das ich im Laufe der letzten Jahre gesehen habe.

Was ist für mich das Besondere an diesem Abend?
Die Produktionen von Magic Sunday sind Gesamtkonzeptionen mit genauem Drehbuch, sehr sorgfältig entwickelter Figuren die sich über verschiedenste Produktionen der letzten Jahre entwickelt haben. Das ist für den Erfolg des Publikums entscheidend. Fünf unterschiedliche Künstler, die nicht ihre eigenen Programme einzeln präsentieren, sondern eine durchgehende Geschichte, in dem alle Kapitel sinnvoll ineinander übergehen.
Die entwickelten Charaktere (Perfektionist, Nerd, Naive, der Spontane oder der Dynamische) spiegeln sich im ganzen Stück. Wenn das Publikum bereits einzelne Typen, liebt bevor sie überhaupt mit der Zauberei beginnen, hat jemand etwas richtig gemacht.

Spagat zwischen Handlung und guter Zauberkunst:
Meine Erfahrung mit solchen thematischen Umsetzungen ist oft, dass die Zauberei stark ist, aber die Story schwach. Oder aber, dass die Zauberei zwanghaft in eine interessante Handlung eingebaut ist.
An diesem Abend stimmt aber Alles!
Denn die Zauberkunst ist hier nicht Nebenhandlung, sondern es gibt viele sehr magische Momente. Man lacht eben noch, bekommt im nächsten Moment feuchte Augen, weil Emotionen entstehen und wird Sekunden später unglaublich getäuscht.
Und genau das wird glaubwürdig, weil hier fünf Künstler auch gute Schauspieler und Magier sind, die nach Perfektion streben und dafür jede Anstrengung auf sich nehmen.

Die Handlung:
Die Handlung zu beschreiben fällt schwer. Was gibt es Schwierigeres als ein Stück zu beschreiben? Man muss es gesehen haben um es selbst zu spüren, zu erleben.
Es geht um Rätsel, um Lösungsansätze, um Überraschungen. Auch das Publikum wird in der Pause in ein Rätsel eingebunden. Falsche Spuren werden gelegt, um sich am Ende dann als Überraschung aufzulösen.


Die Zauberkunst:
Starke Effekte. Man wird gefoolt, wenn man sich auf das Spiel einlässt. Neben kompletten Eigenkreationen, erkennt der Kenner manchmal den Ursprung bei manchen Routinen und Requisiten. Aber auch hier wird er nicht gelangweilt, sondern staunt, über Präsentationen, die aus einem Klassiker eine völlig neue Anwendung schafft.
Viele große Künstler standen Pate für Kunststücke aus diesem Programm und sie wären sehr stolz zu sehen, was man aus ihren Effekten gemacht hat. Gibt es ein größeres Kompliment?

Das Theater:
Das Le-Be Theater ist ein wunderbar kleines Theater für ca. 100 Personen. Die Sitzreihen sind ansteigend und es gibt keine schlechten Karten, die Sicht ist sehr gut. In diesem theatralen, intimen Ramen spürt man die Energie des Publikums, sie ist für Zauberkunst ideal. Das Theater wird von Schauspielern geführt, die selbst wunderbare Komödien dort inszenieren. Auch kann man hier manchmal Comedian oder Musiker hören.

DAS Le-Be – Theater Lechthaler-Belic, Herrgottwiesgasse 4, 8020 Graz, Tel: +43 316 680315,
Karten:
Theater HP: http://www.le-be.at
Magic Sunday HP: https://magicsunday.at

Das Publikum
Laienpublikum das offensichtlich auch Stammpublikum ist. Viele lösen ihre Geschenksgutscheine ein und alle sind ausgehungert nach Live Unterhaltung. Die Altersstruktur ist gemischt. Von Familien bis zu jungen Paaren, aber auch ältere Menschen lachen und staunen gemeinsam. Neben mir, bringt es eine Dame auf den Punkt und erzählt mir, dass sie eine Karte zu Weihnachten geschenkt bekommen hat. Sie ist kein Zauberfan und hielt es bisher eher für Kinderkram. Sie ist begeistert wie zeitgemäß man heute Zauberkunst präsentieren kann und ich kann ihr hier nicht widersprechen.

Die einzelnen Künstler:
Das Team hinter Magic Sunday bietet eine geschlossene Leistung, die es es unmöglich macht sie einzeln hervorzuheben. Es gibt keine Schwachpunkte im Team. Jedem ist seine Rolle im Laufe der Produktionen auf den Leib geschnitten.
Sei es die unglaublich emotionale und schöne Präsentation einer Schwebenummer von Philipp Tawfik, die dynamische innovative Nummern von Paul Sommersguter, die trockene humoristische Art der Routinen von Martin Kosch, die Kartenkunst des Hannes Koch der als „Dummkopf“ vom Dienst die Herzen der Zuschauer erobert oder die grandiose digital cineastische Routine von Lukas Lipp. Einzeln, aber auch zusammen sind sie das Team von Magic Sunday.

Corona und kein Ende:
Wenn früher die Show zweimal pro Sonntag vor ausverkauftem Haus gespielt wurde, ist das Corona bedingt nun im Moment nicht möglich. Zwischen jeweils zwei Sitzen gibt es Abstandhalter mit kleinen Tischen mit Lampen, die dem Theater zwar Atmosphäre geben, die Sitzplatzkapazitäten aber auf 70% begrenzen.
Daher können derzeit statt 200 Zuschauer (2 Vorstellungen) lediglich 70 Zuschauer die Vorstellung besuchen.
Wirtschaftlich schwierig, aber es ist den Künstlern zu danken, dass sie trotzdem auftreten. Da spürt man auch, dass für die sonst auch erfolgreichen Einzelkünstlern, Magic Sunday ein Herzensprojekt ist.

Die Herausforderung des Kritikers:
Kritik ist wichtig und Lobhudelei nicht zielführend. Und so frage ich mich, wo es an diesem Abend gehakt hat. Immerhin war es ja erst die 3. Aufführung des neuen Programms. Dazwischen wenig Bühnenpräsenz, also die schlechtesten Voraussetzungen.
Aber, vielleicht ist auch die Freude darüber, endlich wieder im Theater zu sitzen so groß, dass ich den Abend unendlich genossen habe. Es gibt hier für mich nichts zu kritisieren. Hier Dinge zu zerreden, um sich wichtig zu machen, wäre ein Frevel und so bleibt mir nur dem Team Danke zu sagen.

Wo kann man dieses Programm sehen?
Dazu müssten Sie nach Graz ins Theater Le-Be kommen. Und wenn es die Coronasituation wieder erlaubt Glück haben, Karten zu ergattern. Allen, die – so wie ich – nur 4 Stunden Anreise haben, sollten es live sehen.
Wenn Sie weniger verrückt sind, gibt es eine andere Möglichkeit, die ich Ihnen hier verrate.
Magic Sunday wird in einem „Best-of“ die Eröffnungsshow beim Fröhlich Zauberkongress am 8. September 2022 bestreiten. Dort können Sie sich selbst ein Bild machen und werden meine Begeisterung teilen. Top, die Wette gilt!
Fröhlich Zauberkongress, Bad Aussee, 8.-11. September 2022.
Infos: www.zauberfestival.life
Kongresstickets: https://www.mra.at/tickets





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