Sammler- und Historikertreffen Dresden – Tag 1

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Das Treffen startete mit einer Führung durch das Zauberschloss Schönfeld. Es liegt idyllisch in einem kleinen Ort, nahe von Dresden. Seit ich das letzte Mal hier war, hat sich Erstaunliches getan. Die Restaurierungsarbeiten sind ein schönes Stück weitergekommen.

Die Schlossführung durch Karl-Heinz Kaiser lässt erahnen, wieviel Arbeit, Energie und Leidenschaft in diesem Projekt stecken.

1315 wurde das Schloss erstmals urkundlich erwähnt, Am 1. April 2005 wurde das Zauberschloss wieder der Öffentlichkeit geöffnet. Ein fruchtbare Zusammenarbeit zwischen der Stadt Dresden, der Gemeinde Schönfeld, der Bevölkerung und einer kleinen engagierten Gruppe von Zaubern ist zu verdanken, dass das Schloss heute wieder als Juwel erstrahlt. Zauberfreunden geht das Herz auf, wenn man diesen Ort mit seinen vier Theatern und vielen Ausstellungsräumen besucht in dem Zauberei präsentiert wird.
Man wagt nicht daran zu denken, wieviel 1000-de freiwillige Arbeitsstunden hinter diesem Projekt stehen.

DSC_4172Organisator Steffen Taut bestreitet das erste Referat im Hofzinser Salon über den Dresdner Zauberhändler Manfredo.
Eine spannende Geschichte eines Zauberkünstlers, der sich in Folge einen Namen als Hersteller von Zauberrequisiten gemacht hat. Interessant, dass schon in seiner Zeit (1899 – 1981) Plagiate bzw. Nachbauten an der Tagesordnung waren.  Schön, dass Steffen neben dem anschaulichen Vortrag auch Originalrequisiten von Manfredo präsentieren konnte.

Es ging in eine kleine Kaffeepause mit Verpflegung. In einem Nebenraum gibt es eine kleine Händlermesse wo vergriffene Bücher, Stiche und auch ein paar Requisiten angeboten werden.
Natürlich bin ich mit Aladin präsent und kann gleich einmal 4 neue Abos abschließen. Wir haben jetzt auch eine Abonnentin aus Luxemburg!!

DSC_4231Nach der Pause referierte Lars Rebehn über die Zeit der Taschenspieler im Dresden des 18. Jahrhunderts. War auch Josef Fröhlich der bekannteste Exponent dieses Genre, recherchierte er über sehr viele andere Künstler, die in dieser Zeit ihr Handwerk ausübten. Dass der Name Taschenspieler vielfältig verwendet wurde und oft mit Zauberei nichts zu tun hatte führte er an Hand von Dokumenten aus, wo Jongleure, Puppenspieler, Seiltänzer, Wasserspeier u.v.m. beschrieben wurden die Jahrmärkte und Messen in Dresden bespielten.
Dass Taschenspieler mit der Justiz ihre liebe Not hatten, wurde an Hand von Unterlagen sichtbar, die Inhaftierungen und Verurteilungen von Gauklern dokumentierten.
Man hätte noch gerne länger diese spannende Zeitreise verfolgt, aber der straffe Zeitplan von 30 Minuten pro Vortrag musste eingehalten werden. Steffen Taut sorgte unbarmherzig dafür dass dies auch so durchgeführt wurde. Aber dadurch blieben wir perfekt im Zeitplan.

IMG_2647Anschließend präsentierte Holger Steigerwald eine Illusion, die in ihrer damaligen Zeit für Erstaunen sorgte.
„Das unsichtbare Mädchen“ war eine Illusion bei der eine scheinbare leere Box mit dem Publikum kommunizierte. Da eine Frauenstimme die Fragen des anwesenden Publikums beantwortete, ging man davon aus, dass in der Box ein „unsichtbares Mädchen“ sitzen musste.

Mehrere Modelle wurden erklärt. Aber auch die wechselhafte Geschichte der unterschiedlichen Künstler, die mit dieser Attraktion Messen und Orte bereisten war beeindruckend. Auch hier zeigt sich, dass solche erfolgreichen Darbietungen sehr rasch kopiert und in Folge auch verbessert wurden.

Die anschließende Mittagspause verbringt man in den umliegenden Gasthöfen. Monika und Rico Leitner, die im selben Hotel wie ich wohnen, nehmen mich zu einem Ausflug in das Schloss Pillnitz mit, das in unmittelbarer Nähe liegt. Mit dabei Ulrich Rausch, der aus Bologna mir dem Zug angekommen ist. Er wirkt etwas erschöpft und erzählt von einer 38-stündigen Bahnfahrt, die durch Verspätungen zustandekommen ist. Es ist besser dass kein Verantwortlicher der Deutschen Bahn in Reichweite ist, ich könnte für seine Sicherheit nicht garantieren.

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Ein wunderbarer Schossgarten, eine Orangerie, Palmenhaus und das eigentliche Ziel unseres Ausflugs: Der Kamelienbaum der durch eine Glaskonstruktion geschützt ist. Monika outet sich als Fan dieser Pflanze, die zwar absolut geruchlos ist, aber sehr hübsch anzusehen ist. Bei diesem Exemplar handelt es sich um eine über 200 Jahre alte Pflanze, die zu den ältesten Exemplaren in Europa gehört. Eine imposante Blume.

Manchmal ist es gut Frauen auf Zaubertreffen mitzuhaben, damit man auch von der Umgebung und Kultur des Ortes etwas mitbekommt :-).

Ein Detail am Rande:
Schloss Pilnitz war ein Geschenk von Angust dem Starken an seine Lieblingsmätresse Gräfin Cosel. Der Überlieferung hatte er 200 Mätressen. Ein kostspieliges Vergnügen.

Manche Frauen hatten schon damals ihren Preis……
Das Schloss war mit seinen Attraktionen heute eine Art Disneyworld. Obwohl da Mätressen wohl keinen Platz gehabt hätten. Zumindest nicht öffentlich

Von dort gehts in Windeseile zum Zwinger (einem ursprünglich gebauten Turnierplatz) im Herzen von Dresden. Eine fantastische barocke Anlage.
In einem Seitenflügel ist das Mathematisch – Physikalische Kabinett untergebracht.
Unsere Gruppe teilt sich in zwei Teile, bekommt kompetente Führer, die uns durch die Ausstellungen führen.
Wer einen Faible für technische Geräte wie Uhren, Geometrische Gerätschaften oder Globen hat, ist begeistert sein.  Ein wunderbar aufgebautes Museum bei der ausgesuchte Exponate stilvoll präsentiert werden. Um die Funktionen dieser Wunderwerke zu zeigen gibt es bei den Vitrinen Videos zu sehen, die diese funktionstüchtigen Exponate zeigen.  Am Ende der Führung erhalten wir im hinteren Teil des Museums eine Demonstration einiger Gerätschaften. Schwerpunkt sind hier „Elektrisiergerätschaften“.  Einige Mutige von uns werden unter Strom gesetzt. Ein schöner Ausklang eines spannenden Tages.
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Der Abend klingt individuell aus. Wir essen mit einer Gruppe in unserem Hotel, das sehr schön am Ufer der langsam dahinfließenden Elbe liegt.

 

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